Stop Sextortion − Behörden lancieren neue Informationsplattform

Betrügerische Erpressungsversuche via E-Mail hatten in den letzten Monaten auch hierzulande Hochkonjunktur. Gedroht wird den meist männlichen Opfern mit der Veröffentlichung von angeblich belastendem Bildmaterial mit sexuellen Inhalten. Mit einer neuen Plattform wollen die Behörden nun den Kampf gegen Sextortion verschärfen.

Sextortion, die Erpressung von Internetnutzern mit der Drohung, Videos und Bilder mit sexuellen Inhalten zu veröffentlichen, ist auch in der Schweiz ein heisses Thema. So haben die Täter laut der Melde- und Analysestelle MELANI in der zweiten Jahreshälfte 2018 auf diese Weise rund 360'000 CHF oder beinahe 100 Bitcoins erbeutet − wobei diese Summe nur die gemeldeten Überweisungen umfasst.

Die aktuell häufigste Masche der Erpresser besteht darin, dem Opfer vorzugaukeln, es sei beim Konsum von Pornographie gefilmt worden. Sie fordern ein Lösegeld und drohen, ansonsten das Bildmaterial zu veröffentlichen. Tatsache ist jedoch, dass es sich um einen Betrugsversuch, also eigentlich um «Fake-Sextortion» handelt. Denn die Erpresser sind in der Regel weder im Besitz von kompromittierendem Material, noch haben Sie Zugang zur Webcam des Opfers. Die verschickten E-Mails sind allerdings so raffiniert gemacht, dass sich viele Empfänger täuschen lassen. So werden zu Einschüchterung beispielsweise gestohlene, jedoch meist veraltete Login-Daten der Opfer oder Mobilnummern erwähnt.

stop-sextortion.ch: Informationen und Unterstützung für Opfer

Tatsache ist aber auch, dass die Welle derartiger «Fake-Sextortion»-Mails seit Monaten anhält oder gar zunimmt. Der Grund dafür ist laut MELANI , dass sich die Täter durch ihren Erfolg bestätigt sehen. Solange ein nicht unwesentlicher Teil der Empfänger nämlich die geforderte Summe überweist, lohnt sich das Vorgehen − zumal es sich um Massenversände handelt, deren Verbreitung einen relativ geringen Aufwand erfordert.

Mit dem Ziel, den Kampf gegen solche und andere Sextortion-Praktiken zu intensivieren, haben verschiedene Schweizer Behörden nun die Plattform stop-sextortion.ch lanciert. Hier finden tatsächliche und mögliche künftige Opfer von Sextortion-Attacken aller Art Informationen und Unterstützung, zudem können Fake-Sextortion-Mails gemeldet werden.

Wichtig: Niemals Lösegeld zahlen

Letztlich wird es nach Einschätzung der Experten von MELANI allerdings nur dann gelingen, die aktuelle Welle von betrügerischen Erpressungs-Mails zu stoppen, wenn die Empfänger aufhören, den Tätern das geforderte «Lösegeld» zu zahlen. Auf kurze Sicht dürfte dies jedoch ein frommer Wunsch bleiben, denn die Täter haben ein leichtes Spiel: zu gross ist die Scham und die Angst der Opfer – die wohl tatsächlich Pornographie konsumiert haben – vor einer möglichen, öffentlichen Blossstellung. Die geforderten Summen sind zudem relativ klein, ws die Schwelle zusätzlich senkt.

Nicht von ungefähr ruft MELANI deshalb dazu auf, den Tätern unter keinen Umständen Geld zu überweisen. Vielmehr wird empfohlen, die Mails zu melden, zu löschen und sie im eigenen Umfeld zu thematisieren – mit dem Ziel, dieses zu sensibilisieren und dadurch zu verhindern, dass die Zahl der Opfer weiter zunimmt.